15. September 2022
ADC Future Females
Interview

„Darauf achten, dass man liebt, was man tut.“

Mit ihrer beeindruckenden Laufbahn inspiriert und motiviert sie. Seit 2016 verantwortete Susan Schramm als Vorständin und CMO das Marketing bei McDonald‘s Deutschland. Sie veränderte beim Fastfood Riesen durchaus auch die Führungskultur. Im letzten Jahr änderte sie den Claim des Unternehmens für eine der erfolgreichste Kampagnen Deutschlands #ZusammenGegenCorona, bei der über 1000 Marken involviert waren. Nicht nur unseren ADC Future Females gibt sie im Rahmen des Leadership Programms wichtige Worte mit, sondern auch uns in diesem Interview.

Du bist Speakerin bei ADC Future Female 2022. Warum ist es dir eine Herzensangelegenheit, dabei zu sein?

Ich finde es spannend, wenn ich mit jungen Frauen, die am Anfang ihrer Karriere stehen, meine Erfahrungen teilen und so ein wenig zu deren Karriereentscheidungen oder Entscheidungen in schwierigen Lagen beitragen kann. Und ehrlicherweise macht es mir generell viel Spaß mit jungen Menschen in den Austausch und Dialog zu gehen, denn auch ich lerne in solchen Gesprächen immer wieder dazu. Auf jeden Fall hätte ich mir zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn ein solches Forum gewünscht.

Oft heißt es, Frauen würden anderen Frauen Steine in den Weg legen und damit Karrieren. Ist diese Aussage noch vertretbar und wie erlebst du es?

Ich bin eigentlich kein Freund solcher Stereotypen. Es gab sowohl Frauen als auch Männer, die den einen oder anderen Stein auf meinen Weg platziert haben, aber es gab auch viele die mir geholfen und mich unterstützt haben. In der Tat war ich aber manchmal überrascht, dass Frauen, die in der Lage gewesen wären, mich zu unterstützen, es nicht zwingend getan haben.

Generell habe ich aber den Eindruck, dass vieles im Wandel ist. Ich glaube Frauen sind nach wie vor noch nicht stark darin, solide Netzwerke zu bilden. Das ist etwas, das Männer seit jeher sehr viel besser machen – aber wir holen auf! Und ich bin zudem der festen Überzeugung, dass man das zurückbekommt, was man gibt.

Ich kenne unglaublich beeindruckende Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere Frauen zu unterstützen, ohne Wenn und Aber. Ich selbst habe inzwischen einen zwar kleinen, aber sehr verlässlichen Kreis von Frauen, mit denen ich mich austausche und die ich offen um Rat und Hilfe bitten kann. Je selbstbewusster, aber auch entspannter wir Frauen werden, umso weniger werden wir zwischen Männer und Frauen als Mentoren oder eben Hindernis unterscheiden.

Die sagenumwobene Work-Life-Balance – das ist etwas, was man tatsächlich von der Gen Z lernen kann.

Du hast eine beeindruckende Laufbahn hinter dir. Worauf bist du besonders stolz?

Ich könnte hier jetzt einige fachliche Dinge aufzählen, denn da gibt es auch das eine oder andere auf das ich ein wenig stolz bin, aber ich glaube in diesem Kontext geht es eher um die Themen, die meine persönliche Entwicklung betreffen.

Ich erhalte immer wieder als Feedback, dass ich mich nicht aufgrund eines Titels oder einer Position im Unternehmen verändert und Menschen immer mit Respekt behandelt habe. Das macht mich stolz, denn für mich waren und sind alle Menschen gleich, ungeachtet ihrer Hierarchie- oder Gehaltsstufe. Das bedeutet nicht, dass man nicht auch mal deutliche Worte finden muss. Aber es heißt, dass man andere Menschen und ihre Meinung wertschätzt, zuhört und so das Beste aus ihnen und insgesamt aus einem Team holt.

Worauf ich aber ganz besonders stolz bin, sind meine zwei großartigen Töchter, die mich immer wieder erden und mir zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben.

 … und was würdest du heute anders machen?

Die sagenumwobene Work-Life-Balance etwas besser umzusetzen, das ist etwas, was man tatsächlich von der Gen Z lernen kann. Es geht um ein gesundes Gleichgewicht.

Du warst die erste Frau, die bei McDonald’s im Vorstand saß. Hattest du das Gefühl, dich mehr beweisen und stärker „deine Frau“ stehen zu müssen?

Das muss ich jetzt ganz leicht korrigieren, ich war nicht die erste Frau im Vorstand in der McDonald’s Historie, allerdings ist richtig, dass ich die erste Frau in der Position des Marketingvorstands war. Was das „Beweisen“ betrifft, so kann ich das nicht wirklich beurteilen. Die Position wurde generell als sehr schwierig eingestuft und meine männlichen Vorgänger waren – mit ganz wenigen Ausnahmen – im Durchschnitt zwei Jahre „im Amt“. Das hat vielleicht auch etwas damit zu tun, dass man in hohem Maße für das Ergebnis des Unternehmens verantwortlich ist und daran gemessen wird. Trotzdem muss ich sagen, dass der Druck mich beweisen zu müssen eher aus mir selbst herauskam und weniger der Tatsache geschuldet war, dass ich eine Frau war.

Ich habe immer zu vermitteln versucht, dass ich bei weitem nicht perfekt bin, aber das, was ich tue, mit Herzblut und absoluter Passion verfolge. Ich meine, diese Authentizität und Ehrlichkeit wurde geschätzt und war sicherlich im Vergleich ein eher weiblicher Ansatz.

Du bist ein Vorbild für junge Frauen. Was würdest du ihnen am Beginn ihrer Karriere mitgeben?

 Ich habe mich tatsächlich nie als Vorbild gesehen, freue mich aber, wenn das so sein sollte.

  1. Ich glaube, man braucht einen starken persönlichen moralischen Kompass, der einen durch die Karriere begleitet und der einen leitet.
  2. Man sollte darauf achten, dass man liebt, was man tut – nicht immer und jeden Tag in jedem Detail, aber grundsätzlich. Falls es nicht passt – Bremse ziehen, auch wenn es als Risiko erscheint. Ich habe das einige Male getan und nie bereut.
  3. Sich selbst nicht zu ernst nehmen und auch mal Umwege akzeptieren

Ich bin der festen Überzeugung, dass man das zurückbekommt, was man gibt.

Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie hat den Satz etabliert „We should all be feminists“. Ist Feminismus noch relevant – in der Arbeitswelt aber auch allgemein?

Es geht ja per se um eine gerechte Verteilung von Macht und gegen jede Form von Diskriminierung. Auch heute haben es Frauen noch immer schwerer – einfach nur, weil sie eine Frau sind. Frauen sind oft besser ausgebildet, verdienen aber um ein Drittel weniger. Berufe, in denen Frauen arbeiten, werden schlechter bezahlt. Je höher die Position, desto weniger Frauen. Sie erledigen noch immer den Großteil der Hausarbeit und der Kinderbetreuung.

Es passiert einiges, aber es ist trotzdem noch ein weiter Weg.

Deshalb ist Feminismus immer noch relevant. Allerdings muss es meiner Ansicht nach im Dialog und MIT den Männern passieren. Denn: „We should all be feminists“. Es bedarf Arbeit und Anstrengung von beiden Seiten, um jedem Menschen – Männern und Frauen das Leben zu ermöglichen, das sie oder er führen möchte.

Was inspiriert dich?

Sehr vieles – Musik, Kunst, Reisen, Bücher, Gespräche mit anderen Menschen und am liebsten mit meinem Mann. Die Liste ist lang. Ich bin jemand, der die Dinge sehr bewusst wahrnimmt und auch aus Kleinigkeiten Inspiration bezieht. Und meine Töchter sind Inspiration pur – die Reisen in die Welt einer 7- und einer 14-Jährigen sind immer wieder unglaublich und voller neuer Erkenntnisse. Es ist wichtig neugierig zu sein und offen zu bleiben.

Es geht per se um eine gerechte Verteilung von Macht und gegen jede Form von Diskriminierung.

Zum Abschluss: Beyoncé hat Auszüge einer Rede der oben erwähnten Autorin in einen ihrer Songs eingearbeitet. Gibt es ein Lied, dass dich schon lange begleitet?

Alicia Keys – Empire State of Mind. Jetzt oute ich mich. Ich bin früher ein großer Sex and the City Fan gewesen. Damals war diese Serie legendär. Kult. Dieser Song daraus begleitet mich und ist für mich vor schwierigen Situationen Mutmacher, Kraft- und Motivationsquelle.

If I can make it here I can make it anywhere …. Das trifft im übertragenen Sinne auf sehr viele Situationen des Lebens zu.

 

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