KI verändert das Berufsbild der Kommunikationsbranche
KI verändert das Berufsbild der Kommunikationsbranche ADC fordert neues Verständnis professioneller...
Pit Lederle im Interview mit Patrick Amor über 30 Jahre Discodoener, den Mut zum Ausprobieren und warum gutes Design vor allem Vertrauen braucht. Zum 30. Jubiläum blickt Discodoener mit der Ausstellung „On Record" zurück auf prägende Projekte, treue Kunden und eine Haltung, die bis heute gilt: machen statt zögern.
Pit, Discodöner gibt es tatsächlich seit 1996?
Ja, tatsächlich. Nach dem Abitur machte ich eine Lehre zum Schriftsetzer bei SCS Schwarz in Stuttgart, damals dem ersten autorisierten Apple-Händler der Stadt (lange vor Gravis). Schon damals arbeitete ich mit Photoshop, FreeHand und QuarkXPress. Nach meiner Ausbildung zum Schriftsetzer habe ich an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart Grafik Design studiert. Einen Computerraum gab es dort zunächst nicht – daher gestaltete ich an meinem eigenen Apple von meiner WG aus die ersten Flyer für Clubs.
Und dann war da dieser Name: Discodoener. Wie kam er zustande?
Das wird tatsächlich nicht verraten – es bleibt ein Geheimnis. Es gibt aber einen Versuch der Erklärung: in unserer Ausstellung im StadtPalais wird es eine Kiste mit vier Kurzgeschichten geben, die erzählen, wie der Name Discodoener entstanden sein könnte. Eine Art Legendenbildung. Im Kern ist der Name aus Übermut, Leichtsinn und Vertrauen in das eigene Tun entstanden. Denn so einen ungewöhnlichen und irritierenden Namen kann man nicht planen oder konzeptionell herleiten.
Der Name klingt heute fast wie ein bewusst gesetztes Statement. Damals war er das offenbar nicht.
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Mittlerweile bin ich sogar ziemlich froh darüber. Für mich funktioniert der Name ein bisschen wie ein eingebauter Kunden-Spam-Filter. „Discodoener? Wie bitte? Die fragen wir mal lieber nicht an“, denken sich vermutlich einige. Und genau das ist völlig okay.
Denn wer sich davon nicht abschrecken lässt und ein zweites Mal hinschaut, merkt schnell: hinter dem Namen steckt mehr, als man zunächst vermuten würde.
Du betreibst die Agentur jetzt seit 30 Jahren. Wie groß ist Discodoener heute?
Wir sind aktuell neun Leute, davon acht Designer*innen. Ein separates Projektmanagement oder zusätzliche Kontakter*innen als Zwischenebene gibt es bei uns nicht. Stattdessen verantwortet jeder Designer*in die eigenen Projekte selbst – von der Organisation über die Abstimmung bis hin zur Beratung.
Das ist für eine Agentur ziemlich ungewöhnlich.
Ja. Aber das hat für uns klare Vorteile: Die Designeri*nnen sind von Anfang an direkt im Austausch mit den Kund*innen und kennen dadurch die Projekte sehr genau. Beratung, Abstimmung und Gestaltung liegen in einer Hand. So entstehen kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit.
Wenn du auf 30 Jahre zurückblickst: Welche Projekte gehören für dich zur DNA von Discodoener?
Ich würde das in verschiedene Bereiche unterteilen. Angefangen hat alles mit den ganzen Flyern für Clubs und DJs. Da gab es viel Freiheit und viel Freude am „Herumexperimentieren. Später kamen die Plattencover für Freundeskreis, Max Herre und Joy Denalane dazu. Musik in ein Bild zu übersetzen, finde ich bis heute eine großartige gestalterische Aufgabe. Das Format eines Plattencover ist einfach fantastisch.
Und aus Leidenschaft gehört für mich Firma Bonn dazu, damals ein legendären Skateboard-Laden in Stuttgart.
Beim Skateboardfahren geht es immer ums Ausprobieren: hinfallen, wieder aufstehen und weitermachen. Dieses Bild passt für mich auch sehr gut zur Gestaltung. Dinge einfach ausprobieren, ohne Angst davor zu haben, dass es beim ersten Mal nicht funktioniert. Dann eben beim zweiten oder dritten Versuch. Irgendwann klappt es.
Ausprobieren, hinfallen, weitermachen – das klingt fast wie eine Arbeitsphilosophie.
Ja, genau. Das ist Trail and Error: immer wieder aufstehen, scheitern, um zum Ziel zu kommen.
Und welches Projekt ist emotional am stärksten mit Discodoener verbunden?
Das Stuttgarter Ballett. Das betreue ich seit 1996, mit ein paar kurzen Unterbrechungen. Damals sagte der damalige Intendant Reid Anderson zu mir: „Let’s give him a try.“ Er hat mir sein Vertrauen geschenkt und an mich geglaubt – eine großartige Eigenschaft, die ich sehr schätze. Daraus ist eine Zusammenarbeit entstanden, die bis heute hält.
30 Jahre Kundenbeziehung sind auch ein Statement über Vertrauen.
Absolut. Vertrauen und Eigenständigkeit ist für mich überhaupt ein ganz wichtiges Thema.
Welche Rolle spielt es bei anderen Projekten?
Bei Monkey 47 war dieses Vertrauen ein wichtiger Teil der gemeinsamen Markenentwicklung. Gemeinsam mit dem Team eine Marke zu entwickeln und mitzuerleben, wie sie über die Jahre weltweit bekannt wurde, war ein langer Prozess, aber auch eine tolle Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Dass daraus einmal eine Weltmarke entstehen würde, war am Anfang so nicht abzusehen – und ist für eine kleine Agentur natürlich etwas ganz Besonderes.
Vom reinen Designaspekt her ist das Luzerner Theater wahrscheinlich unser spannendster Kunde. Wir betreuen das Theater seit sechs Jahren und haben dort viel Freiheit, grafisch Dinge auszuprobieren und neue Wege zu gehen
Du arbeitest also mit sehr unterschiedlichen Kunden. Was muss gutes Design für dich leisten – unabhängig von deren Größe oder Bekanntheit?
Die Versuchung ist sicherlich groß, für große Kunden mehr Aufwand zu betreiben oder umfangreichere Lösungen zu entwickeln als für kleinere. Bei uns hat sich das eher andersherum entwickelt. Wir kommen ursprünglich aus der Arbeit für kleine Kunden – Clubs, DJs und Veranstaltungen. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, jedem Kunden die gleiche Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenzubringen und Projekte unabhängig von ihrer Größe mit der gleichen gestalterischen Tiefe zu bearbeiten. Gerade bei kleineren Kunden erlebt man manchmal eine besondere Nähe und Wertschätzung für die Arbeit.
Was hat sich in 30 Jahren verändert – und was würdest du heute noch genauso machen wie 1996?
Für mich steht ganz klar das Wort Machen im Zentrum. Einfach machen – mit einer Unbeschwertheit und Kompetenz. Und nicht immer so viele Bedenken mitschleppen: Wird es klappen? Sieht es gut aus? Was erwartet der Kunde? Wie wird er das finden? Ich versuche, solchen Bedenken möglichst wenig Raum zu geben und aus einer gewissen Leichtigkeit heraus zu arbeiten – mit Vertrauen in die eigene Idee und das eigene Können.
Ist Unbekümmertheit vielleicht das richtige Wort dafür?
Ja. Dinge einfach anzugehen, ohne Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Man ist als Designer über die Jahrzehnte gereift, hat Erfahrung gesammelt und ist entsprechend geschult. Was man sich manchmal zusätzlich wünschen würde, ist etwas mehr Vertrauen von Kundenseite. Jeder hat eine Meinung, jeder weiß etwas. Und das macht es manchmal schwierig, eigenständiges Design zu entwickeln, das vielleicht etwas Neues wagt, überrascht oder Grenzen erweitert.
Du glaubst also, dass mehr Freiheit am Ende zu besserem Design führt?
Davon bin ich überzeugt. Kreative Exzellenz kann nur mit Freiraum und Vertrauen entstehen. Die besten Arbeiten, die ich gemacht habe, sind oft dann entstanden, wenn der Kunde gesagt hat: „Mach mal.“
Im Oktober wird dieses 30-jährige Bestehen im StadtPalais Stuttgart mit der Ausstellung „On Record 96–26“ gefeiert. Was habt ihr vor?
Wir verwandeln den Ausstellungsraum in einen Schallplattenladen: den Discodoener Record Store. Rund 25 Lieblingsprojekte werden dafür in das Format einer Schallplatte übersetzt, neu arrangiert und bearbeitet. Jedes Projekt erhält seine eigene Plattenkiste. Darin befinden sich jeweils 25 bis 30 Artworks – klassisch in eine Schutzhülle gesteckt und mit Stickern versehen, genau so, wie man es aus einem Plattenladen kennt.
Das Besondere an der Ausstellung ist die Gleichbehandlung: Ein „Superstar-Kunde“ bekommt eine Plattenkiste – genauso wie ein „Newcomer Act“. Unabhängig von Größe oder Bekanntheit stehen alle Projekte gleichberechtigt nebeneinander.
Musik ist dabei mehr als nur eine gestalterische Referenz, oder?
Ja. Zum Beispiel gibt es zwei Plattenkisten für Max Herre, Freundeskreis und Joy Denalane. Wir haben die Künstler zu Beginn ihrer Karriere betreut und 25 Jahre später das neue Album von Max und Joy gestaltet. So wird nicht nur die Vielfalt unserer Arbeiten sichtbar, sondern auch eine historische Entwicklung. Ähnlich ist es beim Stuttgarter Ballett: Auch hier wird es zwei Kisten geben – eine mit dem ersten Corporate Design und eine mit dem aktuellen. Dadurch zeigt die Ausstellung nicht nur einzelne Arbeiten, sondern macht auch sichtbar, wie sich Projekte und Design über die Jahre verändern.
Eine kurze Frage noch zum Schluss: Was haben dir die vergangenen 30 Jahre gezeigt?
Auch in einer kleinen Küche kann man große Schnitzel braten.
Zum 30. Jubiläum blickt Discodoener mit der Ausstellung „On Record“ zurück auf prägende Projekte, treue Kunden und eine Haltung, die bis heute gilt: machen statt zögern.
📍StadtPalais – Museum für Stuttgart
17.10. – 29.10.2026
Eröffnung: 16.10., 18 Uhr
‼️ Veranstaltung:
Di 20.09., 16 Uhr
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