Joachim Sauter | ©ART+COM
16. Juli 2021

Kreativität macht nicht unverwundbar. Aber sie ist auch nicht totzukriegen.

Joachim Sauter, Pionier der Neuen Medien. Am 10. Juli ist er viel zu jung verstorben. Ein Nachruf von Nik Hafermaas.

Selten ging mir der Tod eines Menschen so nahe, wie der von Dir, Joachim. Ich verliere nicht nur einen wichtigen beruflichen Weggefährten, sondern einen guten Freund. Der Krebs hat dich besiegt. Das erschüttert mich – denn sahen wir unsere Kreativität nicht als Geheimwaffe, mit der sich alles bewältigen lässt? Je kreativer desto unverwund-barer?

Als Gestalter, Mentor, Freund und Mensch warst und bist Du leuchtendes Vorbild auf ganz unterschiedliche Art. Deine Kreationen zwischen dem Digitalen, dem Physischen und Kinetischen: bahnbrechend und ihrer Zeit oft um Jahrzehnte voraus! Werke, geprägt von Klarheit, Eleganz und Poesie. Deine Lehre an der Universität der Künste Berlin – und später auch an der University of California in Los Angeles – hat das digitale Medienzeitalter dort erst eingeläutet und kreative Keimzellen geschaffen, aus denen ganze Generationen von neuen und international erfolgreichen transmedialen Kreativen erwachsen sind.

Deine Persönlichkeit zeichnete sich aus durch eine seltene Kombination von Offenheit und Großzügigkeit, von Unaufgeregtheit und zuweilen selbstironischem Humor. Kurzum, Du warst eine force of nature, larger than life, ein Roy Batty der transmedialen Kreativszene. Nexus-6, vielleicht sogar 7.

Nun bist Du tot, und doch unsterblich. Unsterblichkeit ist ein sperriger, geradezu vermessener Begriff – und dennoch: Ab und zu setzt jemand Ideen in die Welt, die ein Eigenleben annehmen. Ob Terravision, die bereits 1994 Google Earth vorwegnahm, oder die Heerscharen von Reisenden, die am Flughafen von Singapur ihre Flieger verpassen, hypnotisiert vom Kinetic Rain – Dein Oeuvre ist so reichhaltig, dass es jeden Text sprengen würde. Du hast uns gezeigt, wie wirklich Neues auf diese überfüllte Welt kommen kann und dass es sich lohnt, stets neugierig zu bleiben.

Nun bist du tot. Kreativität macht uns also doch nicht unverwundbar. Aber Du wirst weiterleben: in Deinen Studis, Kollaborateuren, Freunden – in allen, die Du inspiriert hast, direkt oder durch Dein Schaffen.

Goodbye, hello Joachim!

 

Joachim hinterlässt Johanna und Arti – ihnen mein tiefstes Mitgefühl.

 

Juli MMXXI | Prof. Nikolaus Hafermaas