©Gepa Hinrichsen
25. März 2021

Zwischen Idee haben und Idee umsetzen liegen Welten.

Der kreative Nachwuchs ist bei uns erneut in besten Händen: Gepa Hinrichsen ist unsere Chairwoman für den ADC Talent Award 2021. Schließlich war sie bei ihrer Aufnahme in den ADC mit Anfang zwanzig das bisher jüngste Club-Mitglied!

Als freiberufliche Texterin, Beraterin und „Dozentin für kreatives Denken“ kennt Gepa Hinrichsen alle Facetten kreativer Kommunikation. Schon in den frühen 80er-Jahren holte Gepa drei Cannes Lions für die erst später bekannt gewordene Agentur Springer & Jacoby, gründete außerdem 2004 mit Zoo eine eigene Agentur. Diese außergewöhnliche Expertise gibt sie aus Überzeugung gern an Nachwuchstalente weiter.

Gepa, dein Motto ist „Ich könnte alles besser“. Kannst du uns das erläutern?

Nicht ohne Grund heißt mein Comic Büchlein „Zwischen Selbstzweifel und Größenwahn.“ Zwischen „Idee haben“ und „Idee umsetzen“ liegen Welten. Und es ist ein steiniger Weg von der einen Welt in die andere.

Ich bin also schlau genug, nicht zu sagen „ich kann es“. Aber leider nicht schlau genug, nicht zu denken „ich kann es“. Hahaha, leider wahr. Aber das ist ja auch „nur“ eine Tagline für mich. Den Satz bringe ich im Umfeld von unfassbar geiler Kreation. ADC, Cannes, Lürzer‘s Archiv. In dem Zusammenhang muss man richtig lachen, so übergeschnappt ist das Statement. Und dann versteht man es auch richtig, nämlich als Selbstironie. Mein wahrer Slogan, der über allem steht, lautet: Machen, machen und lachen.

Was rätst du den Nachwuchskreativen für ihren Weg in die Kreativbranche?

Genau das. Nicht nur fantasieren, sondern loslegen und machen. Und wenn es zwischendurch abwärts geht (es geht zwischendurch immer abwärts), dann einfach weitermachen und den Humor nicht verlieren, bis es gut ist. Und dann wird es auch gut. 100-prozentig. Das kann ich euch versprechen.

Machen, machen und lachen. Reimt sich, kann man sich merken und gilt für alles.

Am liebsten mag ich es, wenn Arbeiten „Extreme Eyebrowsing“ hervorrufen.

Was erhoffst du dir von den Einreichungen und von den Jury-Sitzungen beim ADC Talent Award?

Bei den Talent Arbeiten ist die Jury immer herrlich entspannt. Am liebsten mag ich es, wenn Arbeiten „Extreme Eyebrowsing“ hervorrufen: Was ist los? Worum geht’s? Komplette Ratlosigkeit. Die gewinnen zwar nicht unbedingt den Grand Prix, aber öffnen allen das Herz. Genau so waren wir auch mal.

"Die Sweeten" (2017) ©Gepa Hinrichsen
"Die Sweeten" (2017) ©Gepa Hinrichsen
"Die Sweeten" (2017) ©Gepa Hinrichsen
"Die Sweeten" (2017) ©Gepa Hinrichsen
"Die Sweeten" (2017) ©Gepa Hinrichsen
"Die Sweeten" (2017) ©Gepa Hinrichsen

Im Zweifelsfall wirst du bei strittigen Entscheidungen schlichten müssen. Freust du dich auf die Rolle als Moderatorin?

Aber ja. Ich liebe es, wenn die Meinungen auseinander gehen: „Wenn das ins Buch kommt, trete ich aus!“ Dieser Satz gehört zu jeder guten Jury. Und ist auch immer so eine Art Höhepunkt. Besser wird’s nicht.

Ich mache mir allerdings wenig Hoffnung, dass es bei Talent Arbeiten zu solchen Szenen kommt. Die meisten Jurys haben ihr Pulver dann schon verschossen. Aber wer weiß. Vielleicht hab ich Glück.

Die Zukunft der kreativen Kommunikation wird immer digitaler. Trotzdem erfreut sich Print anhaltender Beliebtheit beim Nachwuchs, wie auch der vergangene Wettbewerb zeigte. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Keine Ahnung. Wahrscheinlich liegt das an deren steinalten Dozenten, hehe. Tatsächlich ist Print aber ziemlich gut, um zu sehen, ob jemand komplexe Dinge auf den Punkt bringen kann. Ein Bild, eine Zeile, 1-2 Sekunden, mehr hat man nicht. Und auch gestalterisch, zeigt Print gut was einer draufhat. Print ist wie gespreiztes Pfauengefieder: Perfekt für die Bewerbung.

Print ist wie gespreiztes Pfauengefieder: Perfekt für die Bewerbung.

Wie wichtig ist hartes, aber ehrliches Feedback auf dem Weg zum Kreativ-Profi?

Um richtig gut zu werden, braucht man vor allem richtig gute Leute um sich herum. Man sieht deren geniale Arbeiten, wird von Neid und Missgunst zerfressen und will mit jeder Faser seines Körpers auch mal sowas gutes machen. Der ADC ist in dem Zusammenhang hilfreich, sowas wie die Möhre vor der Nase des Esels. Wenn man Leute um sich herum hat, die die Möhre auch manchmal kriegen, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit. Dann bekommt man es selber auch mal hin.

Eine gute Lehrerin, die alles besser kann und einem das erbarmungslos aufs Brot schmiert, ist natürlich ein guter Anfang.

 

Eine verkürzte Fassung des Interviews fand sich bereits in der ADC Zeitung.

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