©Peter Krausgrill/ADC
7. Juli 2022
Night of Honour
Presseinfo

Das war die ADC Night of Honour 2022

Frankfurt am Main - Im Rahmen der Night of Honour verlieh der Art Directors Club am gestrigen Abend seine vier Ehrentitel an wichtige und herausragende Persönlichkeiten aus der Kreativ- und Kommunikationsbranche. In diesem Jahr gehen die Auszeichnungen an Karin Beier, Joachim Sauter, Nina Hagen und an die Agentur Rebmann+Poguntke. Circa 150 geladene Gäste mit Vertreter*innen aus Medien, Wirtschaft, Design und Werbung feierten die Geehrten im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main.

ADC Präsidiumsmitglied Britta Poetzsch eröffnete den Gala-Abend. Stadträtin Stephanie Wüst begrüßte die Gäste und hob die Relevanz der Veranstaltung für Frankfurt am Main hervor: „Sie ermöglichen Fortschritt, den Blick in die Zukunft, Innovationen – und das passt hervorragend nach Frankfurt.“ so Stephanie Wüst. Dominik Erhard, Philosoph und leitender Online-Redakteur des Philosophie Magazins, schloss mit einem inspirierenden Impulsvortrag an: „Selten haben wir so sehr nach unserem authentischen Selbst gesucht wie heute. Wir sollten allerdings versuchen, nach Autonomie zu suchen, und zwar im Sinne von „sich selbst das Gesetz gebend“. Warum das wichtig ist? Wenn wir Identität nicht als Checkliste, sondern als Werte denken, sind wir wesentlich besser dran. Und zwar individuell, wie auch gesellschaftlich. Durch die diesjährigen Preisträger sehen wir heute Abend Menschen auf dieser Bühne, die verstanden haben, dass Identität auf Autonomie beruht und die uns ein Vorbild sein können.“

Als erstes am Abend wurde Karin Beier, Intendantin des Schauspielhauses Hamburg, ausgezeichnet. Sie inszeniert mit großer Lust am Experiment und geht neue konzeptionelle Wagnisse ein. Es geht ihr um einen künstlerischen Anspruch und darum, politisches Theater zu machen, das Relevanz hat und auch mal anecken darf. Die Laudatio auf sie hielt Michel Friedman: Fragezeichen, Zweifel, das in Frage stellen – das ist die Aufgabe der Kunst, der Kultur und vor allem des Theaters. Kunst weckt unsere unbewussten Emotionen, sie weckt uns, sie triggert uns. Karin Beier ist eine unglaubliche Künstlerin. Sie kann das alles. […] Kommunikation, die inhaltsleer ist, ist nichts. Wenn man aber wie Karin Beier so unendlich viel Substanz und Inhalt hat, dann ist die Kommunikation ein unverzichtbarer Glücksfall.“

„Wenn man wie Karin Beier so unendlich viel Substanz und Inhalt hat, dann ist die Kommunikation ein unverzichtbarer Glücksfall.“ – Michel Friedman

Auch Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, unterstrich in einem kurzen Video: „Das Theater erzählen zu können, außerhalb des Theaters, an anderen Orten darauf aufmerksam zu machen, welche Fähigkeiten, welche Leidenschaft, welche Lust hinter dem Theater steckt – auch welche Überforderung zeitweilig darin steckt, das ist die Aufgabe, mit der unsere heutige Preisträgerin die Agentur Rocket & Wink beauftragt hat […]. Dass es immer etwas mehr ist, als das, was man gerade noch so für akzeptabel hält, dass es immer etwas anders ist, etwas Überbordeneres ist“, das sei es, was die Kommunikation über das Theater ausmachen muss. Karin Beier setzt gemeinsam mit der Agentur neue Maßstäbe der kreativen Kommunikation. Dafür wurde sie gestern Abend mit dem Ehrentitel Kundin des Jahres 2021 gewürdigt.

ADC Rookie Agentur des Jahres 2021 ist Rebmann+Poguntke. Mathias Rebmann und Arndt Poguntke kündigten ihre Jobs als Kreativdirektoren in großen Agenturen. Der Grund: weniger Administration, mehr Kreation. Ihr Ziel war es, endlich wieder das tun, warum man mal in die Werbung gegangen war: Zeug ausdenken, Ideen machen, Spaß haben. Mit ihrer eigenen Agentur entwickeln sie Konzepte, Kampagnen und Brand Designs für Marken, Produktionen und Agenturen, für alle Needs und alle Screens. Weltweit für Furore sorgten sie, als sie mit Wissenschaftlern die Netflix Serie „Biohackers“ in DNA speicherten. Im Rahmen der ADC Night of Honour wurden sie nun für ihren Erfolg ausgezeichnet. Es laudatierte Peer Wörpel, Creative Agency Partner DACH bei Meta: „Drei Dinge: Sie gehen geschickt mit Daten um und das führt zu Insights, die auf die Zwölf gehen. Sie geben ihren Kunden Gegenwind, sagen, wenn es scheiße ist oder Quatsch. Und: Sie sind mit ihren Auftraggebern auf Augenhöhe, sie arbeiten gemeinsam – agil oder wie es sich jetzt nennt. Diese Balance, klare Kante und Verantwortung gegenüber dem Kunden, macht Rebmann+Poguntke zur Rookie Agentur des Jahres.“ Dazu Mathias Rebmann und Arndt Poguntke: „Wir waren noch nie so glücklich darüber, „Rookies“ genannt zu werden wie heute. Wir sehen das im Wortsinne, also: Das war erst der Anfang. Wir haben noch viel vor!“

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Seit den siebziger Jahren sorgt Nina Hagen als stimmgewaltige „Godmother of Punk“ für Schlagzeilen und Skandale – durch ihre experimentierfreudige Musik genauso wie durch ihr schrilles Auftreten und ihren unkonventionellen Lebensstil. Punk? Oper? DDR Deutschrock? Schlager? Gospel? Protestgesang? Es ist zuallererst ihre Stimme mit ihrer einzigartigen dynamischen Bandbreite, die Grenzen sprengt. Es sind aber auch ihre öffentlichen Auftritte, mit denen Nina Hagen politisch und kulturell omnipräsent blieb – und noch heute viel in New York, London und Paris gilt. Sie ist eine Kunstfigur. So inspiriert sie seit Jahrzehnten viele in der Kreativbranche und ist ihnen ein großes Vorbild. Dafür haben die Mitglieder des ADC Nina Hagen 2021 zum Ehrenmitglied gewählt. Die Laudatio hielt Schriftsteller und Biograf von Nina Hagen, Marcel Feige: „Viele ihrer Wegbegleiter sind sich einig: Immer wenn Nina mit einem ihrer Projekte vor dem Durchbruch steht, schmeißt sie hin, weil die Verpflichtungen, die mit dem Erfolg einhergehen, ihr zuwider sind. Nina aber will sich nicht verpflichten, nicht einschränken lassen. Sie will frei sein, selbstbestimmt, sie will kreativ und durchgeknallt sein, feministisch, kämpferisch und laut – nicht nur auf der Bühne -, und sie will immer authentisch sein. Punk-Göttin trifft es deshalb ganz gut. Freigeist noch besser.“ Und Marcel Feige schloss die Frage an das Publikum an: „Ist es nicht genau das, was uns an diesen … speziellen Menschen fasziniert? Ist es, diese grenzenlose Freiheit, nicht das, was wir uns alle auch für uns selbst wünschen?“

„Nina will frei sein, selbstbestimmt, sie will kreativ und durchgeknallt sein, feministisch, kämpferisch und laut.“ – Marcel Feige

Am Ende der Veranstaltung wurde Joachim Sauter, Medienkünstler und -gestalter, der als Pionier der Neuen Medien gilt, posthum für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Den Preis nahmen stellvertretend seine Witwe Johanna Kühl und sein Sohn Arto Kühl entgegen. Die Laudatio hielt zuvor Thomas Willemeit, Architekt und Gründungspartner von Graft. Er sprach in sehr bewegenden Worten vom Menschen, Freund und Partner Joachim Sauter. Der Titel seiner Laudatio: Meister der Wahrnehmung. „Joachim war ein seltenes hybrides Wesen aus Künstler und Wissenschaftler, Generalist und Forscher. Seine Fähigkeit, immer neu die Schwelle zwischen phänomenologischer Wahrnehmung und wissenschaftlicher Erkenntnis zu überschreiten, war unglaublich. […] Er hat über das Werk hinaus die Welt nachhaltig verändert, indem er uns verändert hat – er sollte als einer der ersten Repräsentanten des 21. Jahrhundert gesehen werden, die Impact über Ego und Ziel über Autorenschaft stellten und die das humanistische Interesse am Menschsein im 21. Jahrhundert zu ihrem Thema gemacht haben.“ so Thomas Willemeit. Die Kreationen Joachim Sauters bewegten sich zwischen dem Digitalen, dem Physischen und Kinetischen: bahnbrechend und ihrer Zeit oft voraus. Mit seinem Team von ART+COM realisierte er bis kurz vor seinem Tod im Sommer 2021 Werke, die von Klarheit, Eleganz und Poesie geprägt sind, zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhielten, unter anderem den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ und weltweit ausgestellt werden.

„Joachim sollte als einer der ersten Repräsentanten des 21. Jahrhundert gesehen werden, die das humanistische Interesse am Menschsein zu ihrem Thema gemacht haben.“ – Thomas Willomeit

Besonderer Dank geht an Stadträtin Stephanie Wüst, die es ermöglichte, dass die Würdigung der Ehrentitelträger*innen das fünfte Jahr in Folge in Frankfurt am Main stattfinden konnte. Dazu Stephanie Wüst: „Seit 2019 findet die Night of Honour des Art Directors Club in Frankfurt statt. Unserer Stadt tut es gut, dass neue Ideen und vor allem der Mut der Menschen, die hinter diesen Ideen stecken, in Frankfurt ausgezeichnet werden. Denn der Wirtschaftsstandort steht immer wieder vor rasanten Entwicklungen und Umbrüchen, und bietet damit die einmalige Chance sich auch innerhalb Frankfurts neu zu erfinden. Ich bin sicher, die Kreativbranche leistet einen zukunftsträchtigen Beitrag für den Standort und die Standortsicherung für andere Branchen. Die Night of Honour hier in Frankfurt unterstreicht damit die Authentizität unseres Kreativstandortes.“

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Die ADC Night of Honour und ihre Partner

Die Galaveranstaltung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt wurde musikalisch von der jungen Berlinerin THALA begleitet. Mit ihrem „Dreampop“ startet die Künstlerin seit 2020 durch und wird bereits in den USA und Großbritannien gespielt. Ihr Auftritt im Rahmen der ADC Night of Honour wurde von der Audio-Agentur BLUT gesponsert.

Mit Unterstützung von Daniel Koller konnten noch einige der letzten Flaschen #Flutwein ausgeschenkt werden. Tobias Koller und das Team von Seven.One AdFactory hatten im Mai mit dem Case „Unser schlimmster Jahrgang“ den Grand Prix beim ADC Wettbewerb 2022 im Fachbereich Werbung gewonnen und präsentierten diesen beim Empfang zur Night of Honour nochmals.

Ein großer Dank geht außerdem an die ADC Mitglieder Suze Barrett und Matthias Rewig sowie das Team bei nhb, die den Film zur Würdigung von Ehrenmitglied Nina Hagen geschaffen haben.

Unterstützt wird die ADC Night of Honour von der Wirtschaftsförderung Frankfurt, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie dem Museum Angewandte Kunst.

Mit der Night of Honour 2022 kürte der ADC bereits zum 17. Mal herausragende Persönlichkeiten der Kreativ- und Kommunikationsbranche. Über die Ehrentitelträger*innen stimmen die Mitglieder des ADC auf der Jahreshauptversammlung in geheimer Wahl ab. Es geht ausschließlich um die Qualität der Arbeiten der Preisträger*innen; wirtschaftliche, politische Überlegungen oder Proporz sind keine Kriterien.

Alle Informationen zur ADC Night of Honour finden Sie hier.