© Karl Lagerfeld
21. Februar 2019

„Ich bin sehr geerdet. Nur nicht auf dieser Erde.“

Nachruf von ADC Mitglied Lilli Langenheim auf einen der größten Kreativen des Landes: Karl Lagerfeld.

Karl Lagerfeld ist tot. Und seine Birma-Katze Choupette hat ihre Trauer auf dem eigenen Instagram Account mit einem Foto von sich mit schwarzem Schleier bekundet. Das hätte ihm sicherlich gefallen, denn wenn es eines gab, wofür er abgesehen von seinem kreativen Talent stand, dann ist es seine unglaublich charmante Selbstironie.

Seine optische Erscheinung glich einer Ikone. Als Meister der Selbstdarstellung schaffte er es zu seinem eigenen schwarz-weißen Logo zu werden. Er änderte seinen Namen von Karl Otto Lagerfeld zu Karl Lagerfeld, da er seinen Namen so „kommerzieller“ fand. Benutzte täglich Trockenshampoo, um seine grauen Haare in den grafischen weißen Zopf zu verwandeln.

„Damals hieß es, Männerhaare wachsen ab einem gewissen Alter nicht mehr gut, da habe ich sie vorsichtshalber wachsen lassen. So wurde ich von Lagerfeld zu Logofeld.“

Und seit er 1967 von einem ehemaligen enttäuschten Liebhaber in einem Nachtclub mit einem Glas beworfen wurde, und seine Augen von seiner Brille geschützt wurden, trug er stets eine schwarze Sonnenbrille. 2001 nahm er radikal ab, nur wie er stets betonte, um in die schmalen Dior-Anzüge von Hedi Slimane zu passen. Zusammen mit dem weißen Stehkragen, den fingerlosen Lederhandschuhen und seiner Vorliebe für Coke Zero erschuf er seine eigene Legende, eine Art liebevolle exzentrische Karikatur seiner selbst. Er wurde so zu einem Inbegriff der Popkultur, die Grenze zwischen Künstler und Privatmensch verschwand. Seine langjährige Muse Claudia Schiffer nannte ihn den Andy Warhol der Modewelt, der aus schwarz und weiß Farbe kreieren konnte.

Doch Mode war nicht seine einzige Leidenschaft. Seine Privatbibliothek umfasste mehr als 300.000 Bücher, genauso viele wie die Kaiserliche Bibliothek in Wien, die er auf sieben Wohnungen und Häuser verteilte. Mit L7 eröffnete er in Paris auch seinen eigenen Buchladen, gründete zusammen mit dem Verleger Gerhard Steidl den LSD Verlag, um seine fotografischen Arbeiten zu veröffentlichen.

Mythen wie seine 300 iPods, auf denen je nur ein Album gespeichert war, und die von einem eigenen Angestellten verwaltet wurden, gibt es unendlich viele über Karl Lagerfeld. Und seine treffsicheren Zitate füllen nicht erst in den letzten Tagen sämtliche Social Media Plattformen. Viele Modedesigner drücken sich vor allem in ihrer Arbeit aus. Karl Lagerfeld hingegen liebte es auch mit klaren Worten seine Meinung kund zu tun. Manchmal erzeugte er dadurch mediale Shitstorms, wie als er sich nach seiner Kollektion für H&M 2004 beklagte, das auch XL-Größen angefertigt wurden. Oder als er Angela Merkel 2018 für ihre Flüchtlingspolitik kritisierte. Doch relativierte er seine polarisierendsten Aussagen oft selber, denn:

„Nur Dummköpfe ändern

ihre Meinung nicht.“

Wie alt Karl Lagerfeld war ist umstritten, da er wohl sein Alter gerne nach unten korrigierte. Eine kürzlich entdeckte Geburtsurkunde deutet darauf hin, dass er 85 geworden ist. Trotzdem dachte er nie an den Ruhestand, selbst Urlaub war für ihn ein Fremdwort, das allein ein Privileg von Angestellten sei. Er kenne keinen Stress hat er mal gesagt, „nur Strass“.

Seit den 50er Jahren arbeitete er für die bedeutendsten Modehäuser von Paris, erst bei Balmain, dann bei Patou, Chloé, Fendi und Chanel. Nach vier Jahrzehnten als Creative Director bei Chanel wird sein kreatives Erbe von Virginie Viard angetreten, die dort die letzten 30 Jahre eng mit ihm zusammenarbeitete. Sie war es auch, die bereits nach seiner letzten Modenschau zum Abschied den Laufsteg mit Tränen in den Augen betrat, da er sich müde gefühlt haben soll. So wird seine Arbeit wohl in seinem Sinne fortgeführt. Noch ist sein Testament nicht öffentlich gemacht worden, aber es wird spekuliert, dass er sein Vermögen von 400 Millionen Euro an seine zahlreichen Patenkinder, seine langjährigen Mitarbeiter und Choupette vermacht hat.

In einem kleinen Notizbuch, das er hinterließ, befanden sich konkrete Anweisungen, wie die Schaufenster seiner Läden nach seinem Tod zu dekorieren seien. Karl Lagerfeld war ein Perfektionist, der die eigene Inszenierung liebte. Eine große Beerdigung wollte er jedoch nicht, sondern einfach verschwinden.

„Es wird keine Beerdigung geben. Eher sterbe ich.“

So gibt es wohl kaum jemanden, der nach der Nachricht seines Todes dachte: „Karl who?“. Paris, Hamburg, Europa, nein die ganze Welt, schien kurz stillzustehen, denn sie hat einen einzigartig lustigen und unendlich talentierten Kreativen verloren.

Mach’s gut, Karl.

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