©kids in a candy store
9. Februar 2021

Ear-Candy… etwas zum extra Hinhören. Im Idealfall wird so etwas entdeckt.“

Für den ADC haben die vier Vollblutmusiker von kids in a candy store ein Sound Branding entwickelt, das das Selbstverständnis des Clubs auf den Punkt bringt – unter anderem mit den Klängen eines präparierten Klaviers.

kids in a candy store wurde 2018 in Düsseldorf vom Produktionshaus Studio Funk gegründet, um sich ganz den Themen Musikkomposition, Sound Design und Mastering zu widmen. Hinter dem verspielten Namen stecken vier absolute Experten ihres Fachs: Senior Composer Tobias Bürger ist seit 20 Jahren In-House Composer für Studio Funk und war so schon für unzählige hochkarätige Kunden tätig. Julian Prießen arbeitete an Filmen und Serien für die BBC, HBO und Showtime, bevor es ihn in die Werbung verschlug. Marco Manzo wurde im legendären Skyline Studio zum Mastering Profi. Die drei werden bei Bedarf vom Jazz-Experten Tobias Kremer unterstützt, dessen Bigband unter anderem die Fantastischen 4 auf Tour begleitete und der für den Deutschen Filmpreis das Filmorchester Babelsberg dirigiert. Vor Kurzem hat der „candy store“ dem ADC ein neues Sound Branding verpasst. Hier erzählen Tobias Bürger und Julian Prießen von der Entwicklung, den Herausforderungen und der Bedeutung des Sound Brandings für Marken.

Zuerst einmal ein dickes, fettes Dankeschön für unser neues Sound Branding, das den Nagel wirklich auf den Kopf trifft. Was hat für euch den Reiz an diesem Projekt ausgemacht?

Da der ADC in unserer Wahrnehmung für kreative Ideen und bestes Handwerk steht, lag die Messlatte für die eigene Kreation natürlich sehr hoch. Das ist der Motor, der einen antreibt und die Tatsache, dass das Briefing sehr offen war und man einfach erst mal machen konnte, hat das noch befeuert. Sich selbst herausfordern und Dinge machen, die manchmal aus Zeit oder anderen Gründen nicht möglich sind, haben das Projekt besonders reizvoll gemacht.

Big Band, Rockband, Filmmusik – wie schafft ihr es, eure diversen kreativen Einflüsse zu bündeln, oder ist das gar nicht nötig?

Jeder von uns mischt seine diversen Einflüsse zu seinem persönlichen Style zusammen. Das passiert ganz automatisch. Und wir teilen unsere Einflüsse dann auch alle miteinander.

Das ist ja gerade das Schöne an der Kreativität – man kann sich in viele verschiedene Richtungen austoben. Und es ist natürlich toll, wenn man Menschen im Team hat, die neben einer breiten Begabung auch noch Spezialwissen in Bereichen wie zum Beispiel Big Band oder Design von elektronischen Klangwelten haben.

Das führt dazu, dass man einfach offener für neue Ideen bleibt. Wir glauben das funktioniert deshalb, weil wir trotz unserer verschiedenen Backgrounds einen gemeinsamen musikalischen Nenner haben. Wir liefern auch gerne mehrere Ansätze, um genau diese Vielfalt zu haben: Wie klingt das Briefing mit einem Einfluss eher aus der Filmmusik, wie klingt es wenn ein Jazzer das umsetzt.

Die Arbeit an Sound Branding, creative audio und Mastering ist umfangreich und oft ein kleinteiliger Prozess. Werden Vollblutmusiker wie ihr dabei nicht irgendwann ungeduldig?

Zum Glück können wir da auf die geballte Studio Funk Network Power zurückgreifen. Wir haben viele Kolleg*innen, die Spezialist*innen für Sender-Audiodesign, Konzeptionierung und Konfektionierung sind. Von uns kam erst mal sozusagen das Grundgerüst – die Musik, alle Sounds und unsere Ideen zur Implementierung – und mithilfe von Studio Funk wurde daraus dann das Konzept, was man nun hören kann.

Würden wir das gleiche Briefing jeweils von einem Start-Up aus Bielefeld und Elon Musk bekommen, dann würden sie auch die gleiche Komposition bekommen.

Das ist natürlich generell auch sehr vom jeweiligen Projekt abhängig. Wir wollen immer das bestmögliche Ergebnis erzielen und wenn das bedeutet, dass es kleinteilig wird, dann gehört das auch zum Prozess.

Global Player oder junges Unternehmen: Macht ihr hier Unterschiede im Kreationsprozess?

Eigentlich nicht wirklich. Es gibt ein Briefing, ein Timing, ein Budget und los geht‘s. Oft unterscheiden sich aber die Ansprüche an die Musik, die Anzahl der Teilnehmer in den Entscheidungsprozessen und natürlich die Briefings. Aber würden wir das gleiche Briefing jeweils von einem Start-Up aus Bielefeld und Elon Musk bekommen, dann würden sie auch die gleiche Komposition bekommen. Nach unserer Erfahrung ist es so: Junge Unternehmen oder freie Projekte trauen sich oft mehr, was sich in mehr kreativer Freiheit zeigt. Je etablierter der Kunde, desto safer soll die Musik sein. Das hat aber Beides seinen Reiz. Etwas Safes, was aber nach high-end klingt zu produzieren kann genau so viel Spaß bringen, wie eine super experimentelle Filmmusik zu komponieren.

Der ADC hatte große Erwartungen an ein neues Sound Branding. Unter anderem sollte es die 2018 eingeführte neue Corporate Identity komplettieren. Wie seid ihr das angegangen?

Wir haben unser Bild vom ADC vor dem Projektstart nochmal auf den neusten Stand gebracht: Was macht der ADC aktuell, was ist neu, was kommt bald, worauf wird wert gelegt, wie ist der Look. Dann haben wir überlegt: Wie können wir dieses Bild klanglich umsetzen?

So sind wir im Falle des ADC auf vier Konzepte gekommen, die alle ihren Schwerpunkt jeweils auf einen anderen zentralen Wert des ADC gelegt haben. Natürlich gab es bei den vier Richtungen auch Überschneidungen – da Modernität und trotzdem Zeitlosigkeit allen Musiken zu Grunde liegen sollte.

Was war euch persönlich dabei wichtig und was macht den neuen ADC Sound aus?

Uns war wichtig, es nicht zu verkünstlichen und aufzublasen. Es sollte nichts werden, was nur super zeitgeistig und hip ist und auch nichts, was nur mit einem 200 Seiten dicken Konzeptbuch funktioniert. Der ADC ist selbstbewusst genug, um einfach ein Statement zu setzen.

Außerdem war es uns wichtig, im ersten Schritt etwas zu machen, was uns fordert, uns Spaß macht und dieses erst mal ohne Kompromisse und Einschränkungen zu beginnen.

In diesem Fall war es eine konzeptionelle Entscheidung, das Klavier zu präparieren.

Deswegen haben wir nach Sounds gesucht, die diese Tonalität und das Selbstbewusstsein verkörpern können und gleichzeitig formbar sind, um nicht zu altmodisch zu wirken. Es sollte handwerklich top notch sein und es sollte etwas besonderes im Sound geben, das sich aber nicht aufdrängt.

Der ADC hat sich coolerweise sofort in dem Ergebnis wiedergefunden, so dass es die ausgewählte Ursprungsidee ohne Änderungen in die finale Ausarbeitung geschafft hat.

Für die Komposition habt ihr dem klassischen Piano ganz neue Klänge entlockt. Auch wenn der Laie es nicht direkt erkennt, sind solche Effekte das gewisse Extra?

Ear-Candy… etwas zum extra Hinhören. Im Idealfall drängt sich so etwas nicht in den Vordergrund, sondern wird entdeckt. Dann ist die Freude darüber viel größer. In diesem konkreten Fall war es natürlich eine konzeptionelle Entscheidung, das Klavier zu präparieren, weil wir ein konventionelles Instrument in neues Licht setzen wollten. Aber es hätte auch gut einfach ein happy accident beim Rumexperimentieren sein können!

Es ging uns auch nicht darum etwas besonders Abstraktes zu schaffen, es klang halt einfach cool :).

Sound Branding – das ist mehr als nur ein einfacher Musik-Loop und Sound Design. Was macht Sound so relevant für die Markenbildung und -führung? Und was glaubt ihr, warum das noch immer zu selten erkannt wird?

Das Bewusstsein ist schon da, dass Sound wichtig ist. Erfolgreiche und bekannte Projekte haben eine große Strahlkraft und der Wunsch vieler Kunden*innen ist glücklicherweise auch, ihr Sound Branding in dieser Art umzusetzen. Dabei wird aber leider oft die Konsequenz vernachlässigt, die es für ein erfolgreiches Sound Branding braucht. Dann sind doch wieder visuelle Dinge wichtiger als auditive. Oder das erarbeitete Audiokonzept wird nicht stringent eingesetzt. Sound Branding ist keine Raketenwissenschaft. Es geht um Kontinuität, Konsequenz und geschmackliche Treffsicherheit. Und um gute Konzeption und Beratung.

Zu hören ist das neue ADC Sound Branding schon jetzt im Intro, Outro und anderen Klangelementen des ADC Podcasts „Nägel und Köpfe“. Hört doch mal rein!

 

Kids in a candy store stellten die Entwicklung des Podcast Sound Designs als einer unser drei deutschen Beiträge auf dem ADC of Europe Festival 2020 – Motto: „Prototyping Brands for a New Era“ – vor. Das Video in voller Länge:

 

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